medint.at | Dr. Christian Gruber | Salzburg

Für den Aufenthalt in großen Höhen (über 3000m) ist eine gezielte Akklimatisation erforderlich. Um seine Höhenanpassung zu optimieren, gesund zu bleiben und Kräfte zu sparen empfehlen wir folgende Grundsätze zu beachten. Wer ein guter Höhentaktiker ist, kann beschwerdefrei bleiben und wird umso mehr Spaß in den Bergen haben!



Nicht zu schnell höher steigen. Die Gestaltung der Aufstiegsetappen stellt oft einen Kompromiss zwischen höhenmedizinischen Empfehlungen, dem Zeitbudget sowie den örtlichen Verhältnissen (Gelände, Zeltplätze, Lodges) dar.

Ein allmählicher Aufstieg zu Fuß ist einem raschen Aufstieg mit technischen Aufstiegshilfen (Seilbahn, Helikopter, Flugzeug) vorzuziehen. Man sollte etwa eine Woche zu Fuß unterwegs sein und etappenweise aufsteigen, bis man erstmals in einer Höhe von 4000m nächtigt. Die täglichen Höhenunterschiede können zwischen 300m und 500m betragen, sollten aber 600m nicht überschreiten. Generell gilt, dass pro aufgestiegenen 1000 Höhenmetern eine zusätzliche Nacht in gleicher Höhe verbracht wird.

Entscheidend ist immer die Schlafhöhe. Auf dieser Höhe bezieht man sein Lager, verbringt eine bzw. mehrere Nächte und soll sich dort regenerieren und akklimatisieren. Der Lagerplatz sollte daher stets so tief wie möglich gewählt werden.

Viele Reisende berichten über reduzierte Schlafqualität in großer Höhe. Dies liegt u.a. an der nachts gedämpften Atmung und dem sich verlangsamenden Kreislauf. Auch sind Schlafstörungen zB durch periodische Schlafatmung, häufiges Urinieren oder störende Geräusche keine Seltenheit. Man wähle seinen Schlafplatz sorgfältig aus, sorge für ausreichend Belüftung (im Zelt) und verzichte auf die Einnahme von Schlafmitteln. Durch das Liegen mit leicht erhöhtem Oberkörper kann man auch nachts seine Atmung unterstützen.

Die Akklimatisationsphase ist eine kritische Phase. Man sollte sich daher beim Aufstieg Zeit lassen und sein gewohntes Tempo (aus den Alpen) anfangs bewusst reduzieren. Auf jeden Fall sollte man Überanstrengungen in der Akklimatisationsphase vermeiden (keine anaerobe Anstrengungen) und seine Gesundheitsperformance überwachen. Es ist nicht immer einfach die Zeichen seines Körpers zu deuten. Regelmäßige Kontrolle der Ruheherzfrequenz, Atmung und Sauerstoffsättigung können hierbei sehr hilfreich sein.

Wenn man sich fit fühlt, nach Ankunft in einem neuen Lager am selben Nachmittag / Abend noch gemütlich etwas höher steigen zB 200 Höhenmeter über das Lager hinaus. Diese Empfehlung beruht zwar rein auf Erfahrungswerten, hat sich aber dennoch bewährt.

Trotz vorgegebenen Zeitplan und Reisen in der Gruppe sollte man möglichst flexibel in den Entscheidung bleiben. Jeder Reisende soll sich täglich fragen: Wie ging es mir gestern? Wie war die Nacht? Was kann ich mir heute zumuten? Diese Punkte sollen im Bedarfsfall mit dem Gruppenleiter besprochen werden. Eine offene Kommunikation und ein angenehmes Gruppenklima spielen hier eine wichtige Rolle. Der Gruppenleiter wird Alternativen aufzeigen bzw. das weitere Vorgehen am schwächsten Teilnehmer orientieren. Niemand soll das Gefühl haben die Gruppe zu behindern, oder gar alleine zurück gelassen zu werden.

Laufender Erfahrungsaustausch zur aktuellen Verfassung und zum Akklimatisationsfortschritt. (Ehe)partner, Bergpartner, Zeltpartner beobachten sich gegenseitig und tauschen sich regelmäßig über ihren Gesundheitszustand aus und können so frühzeitig Probleme erkennen.

Seinen Gesundheitszustand erhalten während der ganzen Tour ist vor allem eine Frage guter Vorbereitung und einiger Schutzmaßnahmen. Atemwegsinfekte und Verdauungsprobleme gehören zu häufigen Komplikationen in großer Höhe bzw. in Entwicklungsländern. Diese kann man vermeiden durch regelmäßiges Händewaschen sowie Trinkwasser- und Lebensmittelhygiene. Die Schleimhäute kann man durch ein Tuch vor dem Mund oder durch das Lutschen von Pastillen feucht halten.

In großer Höhe / bei großer Kälte auf Duschen und vor allem Haare waschen verzichten. In großer Höhe kommt es durch die körperliche Anstrengung in kalter trockener Luft und durch die Akklimatisation an sich zu einem verstärkten Flüssigkeitsverlust. Diesen Flüssigkeitsverlust gilt es durch regelmäßiges vermehrtes Trinken gezielt auszugleichen um leistungsfähig zu bleiben, aber auch um Thrombosen und Erfrierungen vorzubeugen.

Kein weiterer Aufstieg mit Krankheitssymptomen. Dies gilt besonders für die Symptomen der Höhenkrankheit aber auch für sämtliche anderen Krankheitssymptome. Gesundheitsprobleme werden in großer Höhe kaum besser, der Organismus wird nur doppelt belastet! Wenn sich die Symptome in gleicher Höhe nicht bessern immer abstiegen.

Die Symptome der Höhenkrankheit erkennen. Kopfschmerzen in der Höhe sind alleine noch keine Höhenkrankheit, aber in Kombination mit zwei oder mehreren der Symptome wie zB Schwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Atemnot bei Belastung oder periphere Ödeme schon. Als Leitsymptome für die schwerwiegenden Höhenödeme gelten plötzlicher Leistungsabfall (Höhenlungenödem) sowie Gang- und Stehunsicherheit (Höhenhirnödem). Prinzipiell soll man immer zunächst von einer Höhenkrankheit ausgehen und das Gegenteil beweisen, denn die Symptome der Höhenkrankheit werden häufig ignoriert, fehlinterpretiert oder verheimlicht.

Bei schweren Formen der Höhenkrankheit sofort handeln, denn durch Abwarten verliert man kostbare Zeit. Umgehend Abstieg bzw. Abtransport einleiten. Wenn ein Wechsel in tiefere Lagen nicht rasch genug erfolgen kann (z.B. durch schwieriges Gelände, Witterung, Nacht) bzw. zur Überbrückung bis zum Abstieg / Abtransport eine Notfalltherapie durchführen: Behandlung mit Sauerstoff, Medikamenten und / oder Überdrucksack zur vorübergehenden Verbesserung des Zustandes. Im Anschluss an die Notfalltherapie folgt immer ein Abstieg bzw. Abtransport.